Aus für Dawanda – geht der Trend zu kleinen Manufakturen zu Ende?

Gestern früh schlug diese Nachricht auf Deutsche-Startups.de bei uns ein. Das Aus für Dawanda! Wir schwanken zwischen Sprachlosigkeit und dem Gefühl der Unsicherheit. Ganz klar: Damit geht eine Ära in Deutschland zu Ende. Dawanda hat es in den letzten 12 Jahren geschafft den Trend zu DIY wieder aufleben zu lassen und – für Nauli viel wichtiger – viele Menschen für kleine Labels und „Handmade in Germany“ zu begeistern.

Als wir 2009 mit unseren Produkten online gingen, lief es auf Dawanda erst mal schleppend, und da wir von Anfang an den internationalen Markt anstrebten, waren wir gleich auch auf Etsy vertreten. Wir eroberten den internationalen Markt und saugten die Lernangebote von Etsy förmlich auf. Etsy verdanken wir einen wichtigen Teil unserer Entwicklung und wir haben uns dort als Unternehmerinnen immer ernster genommen gefühlt. (Wahrscheinlich haben wir es sogar irgendwie Etsy zu verdanken, dass wir uns selbst von Anfang an so ernst genommen haben, dass mancher Leser hier vielleicht gar nicht versteht, worüber wir schreiben – weil wir gleich von Anfang an auch den eigenen Onlineshop aufgebaut haben.) Deshalb fungieren wir bis heute als Kapitäne des Etsy Germany Street Teams, einem Verbund von Etsy Verkäufern hierzulande. Und doch haben wir über die Jahre die Ups and Downs auf Etsy erlebt, während wir auf Dawanda unterdessen eine relativ stabile Entwicklung hatten und einen guten Teil unserer Einkünfte erzielt haben.

Jetzt also das Aus für Dawanda

Nachdem die Meldung auf Socialmedia immer weiter gereicht wurde, kam gestern dann die offizielle Kündigung für Dawanda Shops. Dawanda habe es nicht geschafft das Wachstum weiter zu halten. Die Plattform steht damit nicht alleine da – vielen kleinen handmade Labels geht es genauso. Als Beobachter der Szene haben wir das Gefühl, dass die Stimmung schon seit zwei Jahren mäßig ist. Für uns persönlich war der bisherige Tiefpunkt erreicht, als 2017 massiv Personal abgebaut wurde – auf beiden Plattformen. Auch wenn wir großes Verständnis für wirtschaftlich notwendigen Umbau haben, schließlich sind wir selbst Unternehmerinnen,  so ist doch das Vertrauen in die Zukunft der Plattformen gesunken. Wenn die offiziellen Zahlen auch positive Signale zu sein schienen, so wussten wir, dass sich diese Entwicklung oft nicht in den Einzelerfahrungen der Verkäufer widerspiegelte.

Wie wird sich das Angebot für Handgemachtes verändern?

Ein Migrationstool soll es möglich machen Dawanda Shops zu Etsy zu migrieren. Vermutlich die einzige Kooperation zwischen den beiden Konkurrenten, die es je gab. Immerhin wird so ein Migrationstool für alle, die noch keinen Etsy Shop haben und einen eröffnen wollen, Arbeit erleichtern. Die wahre Arbeit fängt aber ehrlicherweise danach erst an. Denn jede Plattform hat ihre eigenen Herausforderungen. Und nicht für alle Produkte, die auf Dawanda gut liefen, ist Etsy der richtige Markt. Für diejenigen, die Etsy früher mal ausprobiert und wieder verlassen haben,  sei aber gesagt,  dass die Plattform in den letzten Jahren viel dafür getan hat, um auch für den deutschen Markt attraktiv zu werden.

Die meisten, die wirklich gekommen sind, um zu bleiben, fahren schon seit Langem mehrgleisig und haben in dieser Zeit schon Energie und Geld in was richtig eigenes investiert. Das lohnt sich nicht für alle Labels und bedarf oft nicht zu kleiner Investitionen. Dawanda hat zwar mit seinen Marketing-Strategien oft viele Verkäufer gegen sich aufgebracht, es war aber doch ein Marktplatz, der es sehr leicht gemacht hat, die eigenen Produkte zu verkaufen. So preisgünstig wie über die Plattformen vermarktet keiner seinen eigenen Onlineshop. Es ist also damit zu rechnen, dass sich das Angebot für Handgemachtes aus kleinen Manufakturen in absehbarer Zeit stark verschlanken wird.

Ist der Trend zu klein und handgemacht damit am Ende? Bewusst kaufen – Vielfalt erhalten!

Nein, unserer Meinung nach nicht! Hoffnungsvoll beobachten wir: Immer mehr  Designer aus unserer Community machen den Sprung zum eigenen Laden und fahren damit gut. Immer mehr Kunden in Deutschland kaufen bewusst aus kleinen Manufakturen. Und nicht zu vergessen, viele von uns sind mittlerweile so professionell, dass sie den Übergang in die neue Ära längst selbst gemacht haben.

Trotzdem, wenn wir die Produktvielfalt in Deutschland erhalten möchten, müssen wir in Zukunft noch stärker hinschauen, wo wir kaufen. Kunden, die kleine Labels und Manufakturen unterstützen wollen, die sie bisher über Dawanda gefunden haben, kaufen am besten jetzt schon in den eigenen Shops betreffender Designer. Damit machst Du Mut und setzt ein Signal!

Gehörst Du zu denen, die schon vorgebaut haben, und hast einen eigenen Onlineshop (jenseits aller Plattformen) oder ein Ladengeschäft? Dann verlinke ihn gerne hier in den Kommentaren. Denn, ES LEBE DIE UNABHÄNGIGKEIT!

10 Kommentare

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Andreaantworten
1. Juli 2018 um 18:46

Hallo ihr Naulis,
ich setze auch schon lange auf Unabhängigkeit. Tatsächlich hatte ich als allererstes meine eigene Website. Damals, als das Internet noch mit vielen gifs zugepflastert war 🙂
Mein eigenes Reich: http://www.gewandfantasien.de

Nauliantworten
1. Juli 2018 um 23:43
– Als Antwort auf: Andrea

Da gehörst Du mit uns zu den Glücklichen! Bei uns lag der Aufbau des eigenen Onlineshops damals gar nicht so sehr an mangelndem Vertrauen, sondern eher daran, dass wir das für professioneller hielten. Was für ein glücklicher Umstand.

Janineantworten
1. Juli 2018 um 20:38

Hi ihr beiden, toller Text. Die Gerüchte hielten sich ja schon lange aber jetzt ist es für alle doch sehr überraschend gekommen. Wir hatten lange auch einen Etsyshop und haben diesen am Anfang des Jahres auf Eis gelegt. Wir sind seit zehn Jahren bei Dawanda und haben vor sechs Jahren den eigenen Laden und den eigenen Onlineshop eröffnet. Allerdings lief immer am meisten auf Dawanda. Wir fragen uns wie alle, wie es weiter geht. Das es weiter geht ist klar, aber es fehlt ein großes Stück vom Umsatz mit dem man in den letzten Jahren rechnen konnte. Ich hoffe unsere Kunden werden uns auch so finden, nach all den Jahren und der ganzen Arbeit wäre das der größte Lohn.

Nauliantworten
1. Juli 2018 um 23:41
– Als Antwort auf: Janine

Wir haben zwar die Stimmung sensibel wahrgenommen, aber dass es jetzt wirklich passiert ist, hat uns eiskalt erwischt.. Wir haben glücklicherweise neben Etsy und Dawanda von Anfang an auf den eigenen Online-Shop gesetzt und den konsequent aufgebaut. Aber nicht nur Dawanda brauchte Wachstum, wir auch! Bei unserem Wachstum war nicht einberechnet, dass ein Outlet plötzlich weg fällt. Da geht es uns wie Euch! https://lieblingsplatzinberlin.blogspot.com

Christianeantworten
1. Juli 2018 um 20:59

Hallo liebe Naulis,
ich bin auch sehr gespannt, wie sich die Handmade-Shop-Landschaft nach DaWanda weiterentwickeln wird. Etsy wird sicher profitieren, wird sich aus meiner Sicht aber auch noch stärker auf die rechtlichen Spezialitäten des europäischen und deutschen Marktes einstellen müssen. Erst mal freue ich mich über jeden Besuch in meiner kleinen Welt: http://www.nanoeswelt.de

Nauliantworten
1. Juli 2018 um 23:47
– Als Antwort auf: Christiane

Wir werden sehen… Es bleibt spannend. Mit Deinem eigenen Shop bist Du immerhin schon für die Unabhängigkeit gerüstet!

liebe designantworten
1. Juli 2018 um 23:24

Es geht ja nicht nur um die Möglichkeit einen eigenen Shop aufzubauen, sondern ein Portal um alles sehen und sichten zu können. Ideal für Käufer aus Europa oder speziell Deutschland. was ist mit Makerist oder Palandu? Werden gar nicht als Alternativen erwähnt. ?
Etsy erhöht zum Wechsel die Gebühren und kassiert eine Porto-Provision… Taktik?
Ahoi,
Sara

Nauliantworten
2. Juli 2018 um 00:08
– Als Antwort auf: liebe design

Bei Etsy kann man auch die Angebote so filtern, dass nur Produkte aus Deutschland angezeigt werden. Zu unserem Leid, wird aber schon seit längerem auch ungefragt gefiltert, weil Deutsche lieber in Deutschland kaufen. Verständlich. Nur dann nicht so schön, wenn wir aus dem gleichen Grund weniger Sichtbarkeit in England haben.

Wir sind seit 2009 auf beiden Plattformen dabei, haben seit 2010 unseren eigenen Onlineshop aufgebaut und auf der Suche nach Wachstum auch immer wieder kleinere Plattformen ausprobiert. Viele sahen vielversprechend aus. Aus Erfahrung wissen wir, es gehört viel Know-How und Kapital dazu eine Plattform bekannt zu machen. Als Menschen in der Blase, hatten wir oft das Gefühl, wir werden von Dawanda- Werbung nur so überschüttet. (Ganz offensichtlich das Problem von Remarketing.) Trotzdem haben wir ständig Menschen kennengelernt, die offenbar ähnlich Leben wie wir und von Dawanda trotzdem noch nie gehört hatten.
So traurig es ist, sehen wir daher in Palandu und Kayamo keine Alternative, obwohl sicher manche dort ihre Nische finden können.
Makerist ist ja eine Onlineschule für Selbermacher. Auch wenn es da Überschneidungen geben mag, ist das etwas ganz anderes.

Sylkeantworten
2. Juli 2018 um 15:38

Moin Moin liebe Naulis
Oh ja, mich hat es auch kalt erwischt. Seit 2011 war(bin) ich bei Dawanda, seit 2013 bei Etsy und seit 2015 habe ich meinen eigenen Shop, in den ich auch viel Herzblut und sicher die überwiegende Zeit investiere. Es gibt sicher einiges an Dawanda zu mäkeln, angefangen mit den ewigen %Aktionen. Doch Dawanda war der Marktplatz, der für mich der Einstieg in die Selbstständigkeit war. Dafür kann ich mich nur immer wieder bedanken.
Wie es mit dem Umzug klappen wird, da bin ich doch sehr gespannt. Wie ist es, wenn man schon einen Shop bei Etsy hat, wie ist es mit der rechtlichen Seite?
Was mich ein wenig an Etsy stört ist der Umbruch, den es vor zwei Jahren gab. Bis dahin wuchs mein Verkauf bei Etsy stetig, gerade, bzw hauptsächlich im Ausland. Dann gab es einen massiven Einbruch. Nun habe ich kaum noch Auslandsverkäufe. 🙁
Durch den Wegfall von Dawanda habe ich doch einen erheblichen finanziellen Einbruch.
Man darf gespannt sein.
Somit freue ich mich natürlich auch über jeden neuen Besucher in meinem eigenen Shop. https://www.scatoli.com/
Ich drücke Euch, uns, allen, ganz doll die Daumen.
Eines vielleicht noch. Man hat im weitesten Sinne durch Dawanda und die damit verbundenen Sozialen Medien unglaublich viele nette neue Leute kennen gelernt. 🙂
Lieben Gruß in den Süden
Sylke

Anikaantworten
3. Juli 2018 um 10:43

Hallo ihr beiden,
danke für eure Worte. Ja es trifft die deutsche Handmadeszene sehr. Ich hab irgendwie auch damit gerechnet aber dann so plötzlich?! Mein eigener Onlineshop ist im entstehen aber hat ja dann noch keine Reichweite und ich bin wirklich besorgt wie es weitergehen soll. Viele neue Standbeine werden da wohl wachsen müssen. Aber wer weiß wofür es gut ist? Wenn sich etwas verändert ist es ja auch immer eine Chance. Also hoffe ich auf viele neue gute Erfahrungen. Zum Glück habe ich meinen Laden hier in Berlin und gebe offline noch Workshops.

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